Miss Island

Veröffentlicht am 31. Dezember 2025 um 11:58

von Auður Ava Ólafsdóttir

Mein Leseeindruck:

Miss Island ist ein Roman über das leise Anderssein. Über den Wunsch, einer Frau gesehen zu werden als Schriftstellerin im Island der 1960er- Jahre. Hekla, die junge Frau, wächst in einem kleinen Dorf in Westisland auf. Ihr größter Traum ist es Schriftstellerin zu werden. Dazu zieht sie zu ihrem besten Freund nach Reykjavik.

Doch ihre Umwelt hat andere Vorstellungen davon, was ein gelungenes Leben für eine Frau bedeutet. Sie soll lieber an der Misswahl teilnehmen und sich danach einen Ehemann suchen. Hekla begegnet diesen Erwartungen nicht mit lautem Protest, sondern mit innerer Stärke und Beharrlichkeit. Die Autorin zeigt, wie begrenzend Rollenbilder sein können und wie viel Mut es braucht, sich ihnen zu entziehen.

Auður Ava Ólafsdóttir erzählt diese Geschichte mit viel Feingefühl, Humor und einer stillen Melancholie. Der Schreibstil ist klar, poetisch und voller feiner Beobachtungen.  Auch wenn mir der ruhige und beobachtende Schreibstil gut gefallen hat, hätte ich mir irgendwie mehr erwartet von dem Roman. Meine Erwartungen konnte der Text nicht erfüllen - muss er aber auch nicht.

Miss Island ist ein stiller, kluger Roman über Selbstbestimmung, Freundschaft und den Mut, den eigenen Weg zu gehen – auch wenn er nicht den Erwartungen anderer entspricht.

 

Miss Island von Auður Ava Ólafsdóttir, Insel Verlag, 239 Seiten

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