Wo die Moltebeeren leuchten

Veröffentlicht am 10. Februar 2026 um 16:51

Ulrika Lagerlöf

Mein Leseeindruck:

Der Roman hat mich in die dichten,  rauen Wälder Nordschwedens entführt. Zwischen Nadelbäumen, endlosen Weiten, kühlem Wind, Schnee und Rentieren erzählt der Roman die Geschichte zweier Frauen über Identität, Verlust, Neuanfänge und Liebe.

 

​Ich habe dieses Buch ausgewählt, da es von der Familiengeschichte der Autorin inspiriert wurde und die Geschichte aus zwei Perspektiven und Zeitebenen erzählt wird: aus der von Siv im Jahr 1938 und aus der von Eva im Jahr 2022.

 

Im Winter 1938 wird die siebzehnjährige Siv in die kalten, schneereichen und einsamen Wälder geschickt, um in einer Waldarbeiterhütte zehn Waldarbeiter zu bekochen. Siv hat große Ängste vor dem harten und entbehrungsreichen Leben -  allein mit zehn Männern in einer kleinen Hütte ohne Privatsphäre zu arbeiten. In der Abgeschiedenheit der nordischen Wälder kann sie autonom und eigenverantwortlich arbeiten und wird unabhängiger. Sie erlebt das erste Mal ein Gefühl von Freiheit.

Dort lernt sie auch den jungen Sami, Nila, kennen. Es entwickelt sich eine zarte Liebe entgegen aller gesellschaftlicher Normen. Die Abschnitte über Siv wirkten auf mich sehr eindrücklich, authentisch und bildhaft. Ich konnte mir das Leben in der Hütte gut vorstellen. Leider habe ich wenig über die indigene Bevölkerungsgruppe der Sami und deren Rentierhaltung erfahren.

Auf der anderen Zeitebene lernt der Lesende Eva kennen. Eva kommt aus dem Norden Schwedens und kehrt für einen Auftrag in ihr Heimatdorf zurück. Sie soll als Pressesprecherin eines Forstunternehmens die Proteste gegen die Abholzung der Wälder vor Ort befrieden. Denn die Waldflächen werden von der schwedischen Forstwirtschaft im Kahlschlag bewirtschaftet. 

Dabei muss sie sich mit ihrer Vergangenheit und ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen. Schnell wird klar, dass Eva und Siv verwandt sein müssen. Es hat mir gut gefallen, etwas über die moderne Forstwirtschaft in Schweden zu erfahren. Die Geschichte von Eva konnte mich weniger begeistern. Siv mit ihrem Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben hat mich mehr in den Bann gezogen.

Der Text ist ruhig, atmosphärisch und mit einer ganz eigenen Melancholie erzählt. Die Sprache ist einfach, zurückhaltend und voller Naturbeschreibungen. Das hat mir besonders gut gefallen.

 

Wo die Moltebeeren leuchten ist ein Roman für ruhige Lesestunden. Wer die Wälder des hohen Nordens liebt und sich für Familiengeschichten begeistert, sollte sich dieses Buch ansehen.

 

Der Roman ist der Auftakt einer Trilogie. Der zweite Teil der Geschichte erscheint im Mai: " Wo das Feuerkraut blüht" und der dritte Band "Wo das Herz des Waldes ruht" soll im Oktober diesen Jahres erscheinen.

 

Wo die Moltebeeren leuchten von Ulrika Lagerlöf, übersetzt von Maike Barth, Gutkind Verlag, 448 Seiten

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