von Inkeri Markkula
Mein Leseeindruck:
Der Roman „Wo das Eis schmilzt“ von Inkeri Markkula ist eine ruhige, einfühlsame und gut beobachtete Erzählung über Klimawandel, familiäre Beziehungen, Zwangsassimilation der Inuit und die Suche nach der eigenen Identität.
Vor der eisigen, oft rauen nordischen Baffin Bay in Kanada erzählt die Autorin von inneren Konflikten, die aufbrechen und Veränderungen möglich machen.
Der Roman wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Der Text beginnt mit der jungen Gletscherforscherin Unni. Sie reist nach Kanada um den Rückgang des Penny-Gletschers auf Grund des Klimawandels zu dokumentieren. Sie stammt aus dem Volk der Sami und musste bereits als Kind ihre Heimat im Norden Finnlands erlassen.
Sie reist aber auch zurück an die Baffin Bay um Jon zu finden. Einen geheimnisvollen jungen Mann, der auf der Suche ist - wonach, das müsst ihr selbst entdecken. Die beiden verbringen eine kurze, leidenschaftliche Zeit miteinander bevor Unni wieder zurück nach Helsinki muss.
Begeistert haben mich die wunderschönen Landschaftsbeschreibungen. Die Autorin findet eine Sprache, einen regelrecht eintauchen lassen in diese überwältigende Natur der Baffininsel.
Die Sprache des Romans ist eher ruhig und zurückhaltend, passt jedoch hervorragend zur Atmosphäre der Geschichte. Die Autorin arbeitet viel mit Bildern aus der Natur, vor allem mit dem Motiv des Eises. Diese Stimmung wird mir sicherlich lang im Gedächtnis bleiben. Gleichzeitig erfahren die Lesenden viel über den Klimawandel in hohen Norden. Die Autorin webt ihr gut recherchiertes Wissen gekonnt in den Roman ein ohne belehrend zu wirken. Das hat mich sehr begeistert.
Trotz der vielen schweren Themen ist die Geschichte hoffnungsvoll und leicht erzählt.
Auch wenn zum Ende viele Zufälle zusammenkommen, eine Geschichte, die ich sehr mochte und daher gerne weiterempfehle!
Wo das Eis niemals schmilzt von Inkeri Markkula, übersetzt von Stefan Moster, MareVerlag, 320 Seiten
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