Malnata

Veröffentlicht am 15. April 2026 um 17:57

von Beatrice Salvioni

Mein Leseeindruck:
„Alle nannten sie die Malnata, die Unheilbringende, und niemand konnte sie leiden.
Ihren richtigen Namen zu sagen brachte Unglück, denn sie war eine Hexe, eine von denen, die dir den Tod einhauchen. Sie hatte den Teufel im Leib, und ich sollte auf keinen Fall mit ihr sprechen.“

Mit Malnata schreibt Beatrice Salvioni einen bemerkenswerten Debütroman. Verankert im katholischen Norditalien der 1930er-Jahre erzählt der Text von Freundschaft, Erwachsenwerden, Selbstbestimmung und dem Aufbegehren gegen gesellschaftliche Erwartungen.

Im Mittelpunkt steht die schüchterne Ich-Erzählerin, die in einem streng katholischen, von Konventionen geprägten Umfeld aufwächst. Francesca hat gelernt, dass Mädchen sich zu benehmen haben, brav zu sein und sich auf ihre zukünftige Rolle als Ehefrau vorzubereiten. Ihr Leben verändert sich grundlegend, als sie Maddalena begegnet – genannt Malnata.
Malnata ist wild, furchtlos, unangepasst und eine Außenseiterin, die in prekären Verhältnissen aufwächst. Während das Dorf sie meidet und verurteilt, fühlt sich die Erzählerin zu ihr hingezogen. Besonders ist die Art, wie die Autorin die Entwicklung dieser ungewöhnlichen Freundschaft erzählt. Durch Francescas Perspektive erleben wir, wie sich ihre Sicht auf die Welt langsam verändert.
Besonders gut hat mir die Atmosphäre gefallen. Die italienische Kleinstadt, die Hitze des Sommers, die religiösen Rituale und die starren sozialen Hierarchien werden so lebendig geschildert, dass man sich schnell mitten im Geschehen wiederfindet. Gleichzeitig sind die 1930er-Jahre geprägt vom aufkommenden Faschismus, und auch wenn dieser nicht permanent im Vordergrund steht, beeinflusst er doch spürbar das Leben der Figuren.

Auch wenn mir das Ende nicht gefallen hat, überlege ich den zweiten Teil der Geschichte auch noch zu lesen. Mit "Malacarne" wird am 29. April eine Fortsetzung der Freundschaftsgeschichte veröffentlicht.

 

Malnata von Beatrice Salvioni, übersetzt von Anja Nattefort, Klett-Cotta Verlag, 272 Seiten

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