von Niviqa Korneliussen
Mein Leseeindruck:
Der Roman von Niviaq Korneliussen hat mit seiner rohen und schonungslosen Erzählweise und der Gesellschaftschaftskritik einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
"Das Tal der Blumen" ist ein harter und erschütternder Roman über Identität und postkoloniale Traumata. Es beschäftigt sich mit der enormen Suizidrate in Grönland.
Das namensgebende Tal ist ein Friedhof in Ostgrönland. Wegen den langen Wintern und lebensfeindlichen Witterungsbedingungen wachsen auf den Gräbern nur für kurze Zeit Blumen. Deshalb sind die Gräber auf dem Friedhof mit bunten Plastikblumen geschmückt. Kein schöner Ort. Aber ein gut gewähltes Symbol für die Ich-Erzählerin des Romans. Die junge Grönländerin flieht aus ihrer Lebenssituation in Westgrönland nach Dänemark. Die Stimmung in ihrer Familie und Generation ist gedrückt und perspektivlos, einige aus ihrem Umfeld haben Selbstmord begangen.
In Aarhus möchte sie studieren, obwohl ihr der Abschied von ihrer Freundin Maliina sehr schwerfällt. Statt der erhofften Selbstfindung, missglückt der Start in Dänemark. Sie hat Schwierigkeiten sich anzupassen und Anschluss zu finden. Als Grönländerin erfährt sie Ausgrenzung und Rassismus.
Korneliussen zeigt in ihrem Text gekonnt die strukturellen Probleme in Grönland und in der Beziehung zu Dänemark auf.
Die Sprache ist roh und gleichzeitig poetisch. Der Text beschreibt auch eindringlich die Gegensätze. Eindrücklich wird die atemberaubende Landschaft beschrieben und anderseits die Zerrissenheit der grönländischen Gesellschaft.
Ein wichtiges politisches Buch und eine Leseempfehlung!
Das Tal der Blumen von Niviaq Korneliussen, übersetzt von Franziska Hüther, 288 seiten, btb Verlag
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