Sie wollen uns erzählen

Veröffentlicht am 14. Juni 2026 um 20:21

von Birgit Birnbacher

Mein Leseeindruck:

Das Thema Neurodivergenz begegnet mir im beruflichen Kontext immer wieder, deshalb hat mich der Roman von Birgit Birnbauer besonders interessiert.

Der  Roman ist eine nachdenkliche Reise in neurodiverse Lebenswelten. Eine berührende Geschichte über Anderssein, Zugehörigkeit und die Kraft des Erzählens. Die Autorin zeichnet ein Porträt eines Jungen mit ADHS und seiner Mutter, die beide ihren Platz in einer Welt suchen. Der zehnjährige Oz wird nicht auf seine Diagnose reduziert. Stattdessen erleben wir seine Gedanken, Wahrnehmungen und Gefühle unmittelbar mit. Seine Unsicherheiten, seine Kreativität und seine besondere Sicht auf die Welt wirken authentisch und berührend.

Oz hat häufig Probleme in der Schule. Als kurz vor den Sommerferien ein Vorfall mit einem Kaninchen passiert, ahnt er bereits, dass unangenehme Gespräche bevorstehen. Doch zu Hause wartet eine ganz andere Krise auf ihn: Seine Großmutter Zilly ist verschwunden.

Seine Mutter Ann ist keine perfekte Mutterfigur. Sie kämpft, zweifelt und stößt immer wieder an ihre Grenzen. Gerade dadurch wirkt sie unglaublich menschlich. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn bildet das emotionale Herzstück des Romans und sorgt für viele bewegende Momente.

Besonders gelungen fand ich den Umgang mit dem Thema Neurodivergenz. Der Roman erklärt nicht, er erzählt.

 

Sie wollen uns erzählen von Birgit Birnbacher, 224 Seiten, Paul Zsolnay Verlag

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